Wie verarbeiten Sie Glaswolle?

Glaswolle ist eines der am häufigsten verwendeten Dämmmaterialien in Deutschland und wird aus Sand und recyceltem Glas hergestellt. Durch die offene Struktur des Materials wird Luft zwischen den Fasern eingeschlossen, wodurch die Wärme nicht zirkulieren kann und eine isolierende Luftschicht entsteht. Das Material hat viele Vorteile, aber leider auch eine unangenehme Eigenschaft.

Bei der Verarbeitung von Glaswolle, beispielsweise beim Schneiden oder Zurechtschneiden, werden Fasern freigesetzt. Diese Fasern können auf die Haut oder in die Augen gelangen und sogar eingeatmet werden.

Die Grenzwerte

Die Menge an Fasern aus Glaswolle, der Sie ausgesetzt sein können, ist auf maximal 2 Fasern/cm³ (2 Fasern pro Kubikzentimeter) Luft für 8 Stunden pro Tag begrenzt. Während der Anwendung von Glaswolle werden diese Konzentrationen normalerweise nicht erreicht. Höhere Konzentrationen können beim Abriss, Schneiden oder Entfernen auftreten, insbesondere wenn die Glas- oder Steinwolle sehr alt oder fest verankert ist.

Schädliche Auswirkungen

Die bei der Arbeit mit Glaswolle freigesetzten Stoffe können eingeatmet werden und so in die Lunge gelangen. Glaswolle kann auch auf die Haut oder in die Augen gelangen. Dies kann zu Hautkrankheiten und Augenreizungen führen. Obwohl die Risiken bei der Arbeit mit Glaswolle erwiesen sind, werden sie noch immer nicht ausreichend berücksichtigt.

Das Risiko

Hautkontakt

Hautkontakt mit Glas- und Steinwollfasern kann zu Reizungen führen, da die Fasern die Haut durchdringen. Glasfasern sind schärfer als Steinwollfasern. Bei kurzfristiger Exposition verschwindet diese Reizung (kleine rote Beulen und Juckreiz) normalerweise am nächsten Tag. Bei längerer Exposition wird die Haut rot und trocken, wobei sich Blasen und Risse bilden können. Diese Hautreizung kann sich unter feuchten und warmen Bedingungen verschlimmern.

Augenkontakt

Wenn Glaswolle mit den Augen in Berührung kommt, kann es zu Reizungen und Rötungen der Augen kommen. Es ist wichtig, die Augen sofort mit Wasser auszuspülen, um die Fasern wegzuspülen. Ein Reiben der Augen sollte vermieden werden, da dies die Reizung verschlimmern kann. Wenn die Reizung anhält, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Bei der Arbeit mit Glaswolle sollte unbedingt ein Augenschutz getragen werden, um zu vermeiden, dass Glaswolle in die Nähe der Augen gelangt.

Einatmen

Das Einatmen von sehr kleinen Fasern (4-5 Mikrometer) aus Glaswolle kann zu Reizungen oder Entzündungen der Nasenschleimhaut oder sogar zu Narbengewebe (Fibrose) in der Lunge führen, das der Luft in der Lunge Platz wegnimmt. Dadurch können die Betroffenen immer schlechter atmen. Die Fibrose erholt sich nicht mehr.

Vorbeugung der Risiken

Wenn Sie Glaswolle zum Dämmen verwenden möchten, ist es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um Reizungen zu vermeiden. Glücklicherweise können Sie die Wahrscheinlichkeit solcher Reizungen durch folgende Maßnahmen verringern:

1. Tragen Sie Schutzkleidung

Bei der Arbeit mit Glaswolle ist es wichtig, Schutzkleidung zu tragen, um sich vor den feinen Glasfasern zu schützen. Dazu können ein langärmeliger Overall, Handschuhe, eine Schutzbrille und eine Staubmaske gehören. Dadurch wird verhindert, dass die Fasern mit Ihrer Haut, Ihren Augen und Ihren Atemwegen in Berührung kommen.

2. Für eine gute Belüftung sorgen

Eine gute Belüftung ist bei der Arbeit mit Glaswolle unerlässlich. Die feinen Fasern können in der Luft schweben und eingeatmet werden, was gesundheitsschädlich sein kann. Sorgen Sie für ausreichend Frischluft in dem Raum, in dem Sie arbeiten, indem Sie zum Beispiel Fenster und Türen öffnen und einen Ventilator verwenden.

3. Verwenden Sie die richtigen Werkzeuge

Verwenden Sie bei der Arbeit mit Glaswolle nur Werkzeuge, die für das Material geeignet sind. Dadurch wird verhindert, dass die Fasern beschädigt und in die Luft freigesetzt werden. Nehmen Sie z. B. eine Schere oder ein Messer mit Wellenschliff, mit dem Sie die Glaswolle vorsichtig schneiden können, ohne die Fasern zu beschädigen.

4. Nicht essen, trinken oder rauchen

Wenn Sie mit Glaswolle arbeiten, ist es wichtig, dass Sie während der Arbeit nicht essen, trinken oder rauchen. Glaswolle kann nämlich Fasern abgeben, die in der Luft schweben und eingeatmet werden können. Wenn Sie bei der Arbeit mit Glaswolle essen, trinken oder rauchen, können die Fasern in Mund, Nase und Lunge gelangen.

5. Ruhig und konzentriert arbeiten

Eiliges oder unvorsichtiges Arbeiten erhöht das Risiko einer Exposition gegenüber den Fasern. Arbeiten Sie deshalb ruhig und konzentriert und nehmen Sie sich die Zeit, die richtigen Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. So verhindern Sie, dass Sie sich und andere in Gefahr bringen.

6. Entsorgen Sie das Material sicher

Nach Abschluss der Arbeit ist es wichtig, das Material sicher zu entsorgen. Vermeiden Sie ein Aufplustern der Fasern, indem Sie die Glaswolle sorgfältig aufrollen und in versiegelte Säcke geben. Entsorgen Sie die Säcke ordnungsgemäß, indem Sie sie beispielsweise zu einer Deponie bringen, wo sie sicher verarbeitet werden können. Kehren Sie die Produktreste nicht auf; dies führt zu einer Ausbreitung in der Luft. Verwenden Sie einen Staubsauger mit HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Filter), um die Rückstände zu entfernen.

7. Waschen Sie Ihre Kleidung und Hände

Nach der Arbeit mit Glaswolle ist es wichtig, dass Sie Ihre Hände und Kleidung waschen. Spülen Sie Ihre Hände mit kaltem Wasser ab oder duschen Sie lauwarm und vermeiden Sie heißes Wasser, da sich dadurch die Poren öffnen und Glasfasern in die Haut eindringen können, was zu Reizungen führt. Waschen Sie Ihre Arbeitskleidung getrennt von anderen Kleidungsstücken, um zu verhindern, dass sich Glasfasern ausbreiten. Noch besser ist es, Kleidung zu tragen, die Sie nach der Arbeit mit Glaswolle wegwerfen können.

Neue Entwicklungen

In den letzten Jahren hat es neue Entwicklungen im Bereich der Glaswolle gegeben. So hat Knauf beispielsweise Varianten mit ECOSE® Technology eingeführt. Durch den Einsatz dieser Technologie wird die Verarbeitung von Glaswolle noch angenehmer als bisher. Denn ECOSE® Technology sorgt für einen Produktionsprozess ohne den Zusatz von Formaldehyd oder Phenolen, sodass Glaswolle ohne Reizungen entsteht. Das heißt, kein Juckreiz, kein Geruch und kein Staub.

Fazit

Die Arbeit mit Glaswolle kann gefährlich sein, wenn Sie keine Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Durch das Tragen von Schutzkleidung, eine ausreichende Belüftung und die Verwendung der richtigen Werkzeuge können Sie das Risiko von Reizungen und Gesundheitsproblemen verringern. Es ist wichtig, dass Sie die Expositionsgrenzwerte für Glaswolle einhalten und im Zweifelsfall immer einen Experten zu Rate ziehen. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen können Sie jedoch sicher mit Glaswolle arbeiten und für ein gut gedämmtes Haus sorgen.