Dämmung: So berechnen Sie die korrekte Stärke für Ihr Projekt

Moritz Langer

Die optimale Dämmstärke ist entscheidend, wenn es um Energieverbrauch, Behaglichkeit und die bauphysikalische Sicherheit in Ihrem Haus geht. In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie die Stärke für Dach, Außenwand und Kellerdecke/Boden methodisch ermitteln: von U-Wert-Grundlagen über λ-Werte (Wärmeleitfähigkeit) bis zu realistischen Beispielrechnungen. So erhalten Sie einen belastbaren Planungswert, den Sie mit Ihrer Energieberatung verifizieren und in konkrete Angebote überführen können.

Warum die Stärke beim Dämmen zählt

Die Dämmstärke beeinflusst den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizienten) und damit Wärmeverluste, Oberflächentemperaturen und das Raumklima. Entscheidend ist die Kombination aus Dicke d und Wärmeleitfähigkeit λ: Je kleiner λ, desto mehr Wärmeschutz pro Zentimeter. Neben dem verwendeten Dämmstoff beeinflussen auch weitere Schichten (z. B. Mauerwerk, Beplankungen) sowie Luftdichtheit/Feuchteschutz das Ergebnis.

GEG richtig einordnen

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) definiert Höchstwerte für U-Werte je Bauteil und Maßnahme (Sanierung/Neubau). Wichtig: Da Anforderungen sich ändern können, empfehlen wir, unbedingt mit der aktuellen Fassung zu arbeiten und die Ziel-U-Werte von einem Energieberater festlegen zu lassen. In der Praxis werden meist Planungs-U-Werte gewählt, die die gesetzlichen Höchstwerte komfortabel unterschreiten und bauphysikalische Reserven berücksichtigen.

So überschlagen Sie die notwendige Dämmstärke

Nutzen Sie die vereinfachte U-Wert-Beziehung, um aus Ziel-U-Wert und λ-Wert eine erste Dicke d abzuleiten. Das liefert belastbare Planungswerte, die Ihre Energieberatung anschließend projektscharf verifiziert.

U-Wert-Grundformel:
U = 1 / (R_si + Σ(d_i/λ_i) + R_se) [Einheit: W/(m²·K)]

Für eine einzelne zusätzliche Dämmschicht lässt sich die erforderliche Dicke d (m) überschlagen als:
d ≈ ( (1 / U_ziel) − R_si − R_se − Σ(R_sonstige) ) × λ

Orientierungswerte:
• R_si (Innenoberflächenwiderstand) ≈ 0,10–0,13 m²K/W
• R_se (Außenoberflächenwiderstand) ≈ 0,04 m²K/W
• Σ(R_sonstige): Wärmewiderstände weiterer Schichten (z. B. Mauerwerk)

Wichtig: Diese Herangehensweise liefert Ihnen eine vereinfachte Vorabschätzung. Exakte Nachweise (inkl. Feuchte, Wärmebrücken, Brand-/Schallschutz) gehören in die Fachplanung.

Fachchinesisch am Beispiel erklärt: typische λ-Werte

Der λ-Wert zeigt, wie gut ein Material dämmt: je kleiner, desto weniger Dicke ist nötig. Die folgenden Spannen helfen bei einer schnellen Vorauswahl der Materialklasse.

  • Mineralwolle: λ ≈ 0,032–0,040 W/(m·K) (z. B. WLS 032/035/040)
  • EPS: λ ≈ 0,031–0,040 W/(m·K)
  • PIR/PUR: λ ≈ 0,022–0,028 W/(m·K)
  • Holzfaser: λ ≈ 0,038–0,045 W/(m·K)

Grundsätzlich gilt: kleineres λ → geringere Dicke für denselben U-Wert.

Überschlägige Dicken für gängige Bauteile

Anhand realistischer Ziel-U-Werte sehen Sie, welche Dicken bei Dach, Außenwand und Kellerdecke typischerweise herauskommen. Die Beispiele liefern eine erste Orientierung; die konkreten Schichten der gewählten Produkte vor Ort bestimmen die Feinabstimmung.

Annahmen: R_si + R_se ≈ 0,17 m²K/W, sonstige Schichten hier nicht berücksichtigt (Konservativansatz). In der Praxis reduziert vorhandene Substanz (z. B. Mauerwerk) den notwendigen Dämm-Zuwachs.

  1. Dach – Ziel-U_ziel = 0,20 W/(m²·K)
    R_ges = 1/U = 5,00 → R_Dämmung ≈ 5,00 − 0,17 = 4,83
    • Mineralwolle λ 0,035: d ≈ 0,035 × 4,83 = ≈ 170 mm
    • PIR λ 0,024: d ≈ 0,024 × 4,83 = ≈ 120 mm
    • Holzfaser λ 0,039: d ≈ 0,039 × 4,83 = ≈ 190 mm
  2. Außenwand – Ziel-U_ziel = 0,24 W/(m²·K)
    R_ges = 4,17 → R_Dämmung ≈ 4,17 − 0,17 = 4,00
    • Mineralwolle λ 0,035: d ≈ 0,035 × 4,00 = ≈ 140 mm
    • EPS λ 0,032: d ≈ 0,032 × 4,00 = ≈ 130 mm
    • PIR λ 0,024: d ≈ 0,024 × 4,00 = ≈ 100 mm
  3. Kellerdecke/Decke gegen unbeheizt – Ziel-U_ziel = 0,25 W/(m²·K)
    R_ges = 4,00 → R_Dämmung ≈ 4,00 − 0,17 = 3,83
    • Mineralwolle λ 0,035: d ≈ 0,035 × 3,83 = ≈ 135 mm
    • PIR λ 0,024: d ≈ 0,024 × 3,83 = ≈ 95 mm
    • EPS λ 0,036: d ≈ 0,036 × 3,83 = ≈ 140 mm

Bitte beachten Sie, dass diese Werte Erstabschätzungen sind. Ziel-U-Werte und Schichtaufbauten bitte projektbezogen prüfen; GEG-Höchstwerte dürfen nicht überschritten werden.

Empfohlene Dämmstärken aus der Praxis

Die folgenden Bandbreiten stammen aus typischen Sanierungsszenarien und erleichtern die erste Einordnung.

Maßgeblich bleiben jedoch Ziel-U-Wert, verfügbare Aufbauhöhe und Materialwahl.

  • Dach (Zwischen-/Aufsparren): ca. 160–300 mm je nach λ, Aufbauhöhe und Ziel-U-Wert
  • Fassade (WDVS): ca. 120–200 mm je nach λ und Ziel-U-Wert
  • Kellerdecke: ca. 80–140 mm (PIR oft schlanker realisierbar)

Diese Spannen sind keine Norm, sondern typische Praxiswerte. Maßgeblich bleibt die Fachplanung.

Ganz einfach die Stärke Ihrer Dämmung Schritt für Schritt berechnen

Mit den folgenden einfachen Schritten strukturieren Sie Ihre Planung vom Aufmaß bis zur Bestellung. Halten Sie sich einfach an die Checkliste, um Varianten sauber zu vergleichen und Verschnitt sowie Zubehör einzurechnen.

  1. Bauteil aufnehmen: Fläche, vorhandene Schichten, verfügbare Aufbauhöhe/Platz.
  2. U_ziel definieren: Mit Energieberatung/Planung auf GEG-Konformität abstimmen.
  3. λ wählen: Materialklasse nach Anforderungen (Brandschutz, Schallschutz/Hitzeschutz, Ökologie, Budget).
  4. Dicke überschlagen: Formel anwenden, reale Schichten addieren.
  5. System festlegen: Luftdichtheit/Dampfbremse, Befestigung, Putzsysteme, Unterdachbahnen etc.
  6. Angebot/Bestellung: Stärken und λ fixieren, Verschnitt einplanen, auf ganze Pakete runden.

Mini-Tabellen: ein schneller Vergleich nach λ

Die Tabellen zeigen auf einen Blick, wie sich unterschiedliche λ-Werte auf die notwendige Dicke auswirken. So erkennen Sie sofort, welche Materialklasse Ihre Aufbauhöhe am besten trifft.

  • Dach, Ziel-U ≈ 0,20 W/(m²·K):
    λ 0,024 → ≈ 120 mm | λ 0,032 → ≈ 155 mm | λ 0,035 → ≈ 170 mm | λ 0,039 → ≈ 190 mm
  • Fassade, Ziel-U ≈ 0,24 W/(m²·K):
    λ 0,024 → ≈ 100 mm | λ 0,032 → ≈ 130 mm | λ 0,035 → ≈ 140 mm | λ 0,039 → ≈ 155 mm
  • Kellerdecke, Ziel-U ≈ 0,25 W/(m²·K):
    λ 0,024 → ≈ 95 mm | λ 0,032 → ≈ 120 mm | λ 0,035 → ≈ 135 mm | λ 0,039 → ≈ 150 mm

Profi-Tipps aus der Praxis

Mit diesen kurzen Hinweisen vermeiden Sie die gängigsten Planungsfehler – besonders hilfreich bei knapper Aufbauhöhe, speziellen Brandschutzanforderungen oder hohem Sommerkomfort-Anspruch.

  • Vergleich sauber machen: gleiche U-Ziele, gleiche λ-Klasse, gleiche Zubehörpakete anfragen.
  • Auflagen checken: Brandschutz (A1/A2 vs. B-Klassen), Schallschutz, Feuchte/Luftdichtheit.
  • Bauhöhe beachten: PIR oder λ-stärkere Mineralwolle prüfen, um Dicke zu reduzieren.
  • Sommerlichen Hitzeschutz prüfen: Falls notwendig punktet hier Holzfaser bei der Speichermasse (Dicke entsprechend dimensionieren).