Welches Dämmmaterial ist besser geeignet, Steinwolle oder Mineralwolle? Und wo genau liegen die Unterschiede? Kurz gesagt: Beide Dämmstoffe sind eine Variante der Mineralwolle, unterscheiden sich aber deutlich: Rohdichte, Dämmwerten, Schallschutz, Brandschutz, Verarbeitung oder Preis sind wichtige Kriterien. In diesem Ratgeber ordnen wir die Begriffe sauber ein, vergleichen Steinwolle und Glaswolle praxisnah und zeigen, welches Material sich für Dach, Außenwand/Fassade, Innenwände und Kellerdecken eignet – damit Sie für Ihr Bauprojekt auf die optimale Dämmlösung setzen können!
Definition: Was sind Steinwolle und Mineralwolle?
In aller Kürze: Mineralwolle ist der Sammelbegriff für Steinwolle und Glaswolle. Ihre größten Gemeinsamkeiten sind häufig auch ein wichtiger Grund, warum sie als Dämmstoff zum Einsatz kommen: Sie sind nicht brennbar (meist Euroklasse A1/2), diffusionsoffen und schalldämmend. Die wichtigsten Unterschiede der beiden Varianten finden sich in der Rohdichte und im Preis. Auch diese Unterschiede sind selbstverständlich wichtig bei der Auswahl des Materials: Gerade die Rohdichte hat oft direkten Einfluss auf Gewicht, Druckfestigkeit und Preis. Auch beim Rohmaterial gibt es Unterschiede: Steinwolle entsteht meist aus Basalt oder Diabas (vulkanisches Gestein), teils mit Hüttenschlacke als Sekundärrohstoff. Glaswolle hat häufig Altglas (Recyclat) als Rohstoff, häufig auch Quarzsand.
Sowohl Steinwolle als auch Glaswolle finden Sie selbstverständlich auch in unserem Online-Shop. Bei der Entscheidung für das passende Produkt empfehlen wir Ihnen zusätzlich diese Kriterien im Detail:
Was ist der Unterschied zwischen Steinwolle und Mineralwolle?
Kurz zusammengefasst: Steinwolle hat üblicherweise eine höhere Rohdichte, einen sehr guten Schallschutz und besteht aus formstabilen Platten, die eine hohe Temperaturbeständigkeit aufweisen.
Glaswolle ist dagegen leicht und elastisch, hat gute λ-Werte, ist zudem oftmals preisgünstiger. Aufgrund des geringeren Gewichtes ist das Material oft leichter zu montieren, etwa im Über-Kopf-Bereich.
Die technischen Details beider Dämmstoffe auf einen Blick:
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Kriterium |
Steinwolle |
Glaswolle |
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Rohstoff |
Basalt/Diabas, teils Hüttenschlacke |
Altglas/Quarzsand |
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Wärmeleitfähigkeit (λ) |
ca. 0,032–0,040 W/(m·K) |
ca. 0,032–0,040 W/(m·K) |
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Brandschutz |
Nicht brennbar (A1/A2), sehr hohe Schmelzpunkte |
Nicht brennbar (A1/A2) |
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Schallschutz |
Sehr gut (durch höhere Rohdichte) |
Gut bis sehr gut |
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Druckfestigkeit |
Höher, sehr formstabile Platten |
Eher elastisch, federnd |
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Gewicht |
Höher |
Geringer (Vorteil bei Über-Kopf-Arbeiten) |
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Feuchteverhalten |
Hydrophobiert, diffusionsoffen |
Hydrophobiert, diffusionsoffen |
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Preis |
Eher höher |
Eher etwas günstiger |
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Typische Formen |
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Rollen/Matten, Platten |
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Einbaukomfort/Montagekomfort |
Lässt sich sauber zuschneiden und sitzt fest im Zwischenraum. Über Kopf jedoch schwerer zu halten und zu montieren. |
Elastisch und komprimierbar, passt sich unregelmäßigen Gefachen an; über Kopf besonders einfache Montage |
Bitte beachten Sie: Diese Werte und Informationen dienen der groben Orientierung, sie können je nach Produkt variieren. Berücksichtigen Sie beim konkreten Vergleich von Produkten unbedingt auch immer das konkrete Datenblatt des jeweiligen Herstellers.
Welche Dämmung ist besser für Dach oder Wand?
Dach (Steildach, Zwischen-/Untersparren)
Glaswolle eignet sich für die meisten Zwischensparrenanwendungen, weil sie leicht, elastisch und in sehr guten Wärmeleitfähigkeiten (z. B. WLS 032/035) verfügbar ist. Steinwolle empfiehlt sich, wenn erhöhter Schallschutz gefordert ist oder brandschutzrelevante Details vorliegen, etwa in der Nähe von Durchdringungen.
Unsere Empfehlung: Im Dach überwiegend Glaswolle einsetzen, Steinwolle bei erhöhten Anforderungen an Schall- oder Brandschutz.
Beachten Sie außerdem den wichtigen Aspekt des sommerlichen Hitzeschutzes: Für den Dachausbau zählt nicht nur der U-Wert im Winter, sondern auch der Komfort im Sommer. Durch die höhere Rohdichte bringt Steinwolle Vorteile bei der Wärmespeicherfähigkeit und der Phasenverschiebung – die Mittagshitze gelangt später in den Raum. Glaswolle bleibt beim Einbaukomfort und bei sehr guter Wärmeleitstufe (WLS) 032/035 stark. Wenn Hitzeschutz im Fokus steht (z. B. nicht klimatisierter Dachwohnraum), sollte Steinwolle in die engere Wahl kommen; bei Fokus auf Einbaugeschwindigkeit und geringes Gewicht ist Glaswolle oft im Vorteil.
Außenwand/Fassade (zweischalig, hinterlüftet, WDVS mit Mineralwolle)
Steinwolle überzeugt durch Formstabilität und Druckfestigkeit und ist in hinterlüfteten Fassaden sowie vielen WDVS-Systemen der Standard (Systembindung beachten). Glaswolle spielt ihre Stärken in leichten Holzrahmenkonstruktionen mit sehr guten λ-Werten aus.
Unsere Empfehlung: Für Fassaden sollten Sie in der Regel Steinwolle wählen, für leichte Wandaufbauten dagegen Glaswolle.
Innenwände/Trennwände (Trockenbau)
Steinwolle bietet dank höherer Rohdichte einen sehr guten Schallschutz und ist damit ideal für Büros, Praxen oder Mehrfamilienhäuser. Glaswolle ist leicht, lässt sich schnell verarbeiten und liefert im Wohnbau einen guten Allround-Schallschutz.
Unsere Empfehlung: Bei hohen Akustik-Anforderungen sollten Sie eher Steinwolle einsetzen, für Standard-Trennwände empfiehlt sich Glaswolle.
Kellerdecke/Tiefgarage
Steinwolle-Platten sind robust und druckfest und stehen bei sichtbaren Bereichen oft mit beschichteten Oberflächen zur Verfügung. Glaswolle wird hier seltener verwendet, da häufig stoßfeste Lösungen gefragt sind.
Unsere Empfehlung: Für Kellerdecken und Tiefgaragen sollten Sie Steinwolle verwenden.
Beachten Sie unbedingt: Dämmmaterialien sollten Sie grundsätzlich nicht mischen oder kombinieren, innerhalb einer Dämmschicht sollte auch nur ein Material verwendet werden. Unterschiedliche Federkraft und Rohdichte können sonst Fugen, Hohlstellen oder unebene Oberflächen verursachen. Zulässig (und oft sinnvoll) ist das Kombinieren in verschiedenen Schichten innerhalb eines geprüften Systems – zum Beispiel Dämmung plus Brandriegel in der Fassade. Entscheidend sind die Systemvorgaben des Herstellers.
Welche Dämmung ist nachhaltiger?
Sowohl Steinwolle als auch Glaswolle schneiden im Bereich Nachhaltigkeit über den Lebenszyklus in der Regel sehr gut ab, weil die Energieeinsparung in der Nutzungsphase die Herstellenergie deutlich übertrifft. Unterschiede ergeben sich vor allem bei Rohstoffen, Recyclingpfaden und Rücknahmesystemen.
Rohstoffe und Recyclinganteil
Glaswolle enthält häufig einen hohen Altglasanteil (Cullet). Hersteller geben je nach Werk und Produkt bis ~80–90 % Recyclat an; typische Bandbreiten liegen darunter und schwanken standortbedingt. Steinwolle basiert auf Naturgestein (Basalt/Diabas); je nach Produktion werden Sekundärrohstoffe (z. B. Produktionsrückläufe, industrielle Nebenprodukte) beigemischt. Beide Gattungen sind recyklierbar, und interne Produktionsabfälle werden in modernen Anlagen wieder eingeschmolzen.
Kreislaufführung & Rücknahme
Es gibt verschiedene Take-back-Programme, die Verschnitt und Rückbaumaterial sammeln und wieder in den Produktionskreislauf geben. Beispiele sind ROCKWOOL Rockcycle (Steinwolle, zahlreiche Länder inklusive Deutschland) und Initiativen wie RESULATION (Mineralwolle-Rücknahme) oder Herstellerprogramme im Glaswollebereich (Stand: November 2025). Bitte prüfen Sie regional die Verfügbarkeit und Annahmekriterien.
Gesundheit
Beim Kauf von Dämmmaterialien können Sie auf entsprechende Labels und Kennzeichnungen achten, etwa auf EUCEB bzw. Note-Q-Konformität: Sie bescheinigen die Biolöslichkeit der Fasern nach EU-Chemikalienrecht (CLP/REACH). Um auf Nummer sicher zu gehen, gilt dennoch: Bei der Verarbeitung sollten Sie auf staubarmes Schneiden achten und zudem auf Schutzkleidung setzen. Beim Verarbeiten von Glaswolle [https://www.daemmstoffonline.de/blogs/wissensdatenbank/wie-verarbeiten-sie-glaswolle#:~:text=1.,Haut%20und%20Atemwege%20vor%20Faserkontakt] empfehlen wir beispielsweise entsprechenden Overall, Handschuhe und Schutzmaske.
Die Nachhaltigkeit von Steinwolle und Glaswolle, kurz zusammengefasst:
- Glaswolle punktet oft mit hohem Recyclatanteil
- Steinwolle überzeugt mit Formstabilität, hoher Temperaturbeständigkeit und etablierter Rücknahme im Bau- und Rückbaukontext.
- Nachhaltig ist, was zum Bauteil passt und langfristig die größte Energieeinsparung sichert – wählen Sie daher auch unabhängig vom Produkt nach U-Wert/λ-Klasse, Dicke, Verfügbarkeit und Rücknahmeoption.