Wer eine Sanierung oder einen Neubau plant, steht früher oder später vor der Frage: Steinwolle oder Glaswolle? Beide zählen zur Gruppe der Mineralwolle und sind bewährte Lösungen in der Dämmtechnik. Doch je nach Anwendung, Budget und Anforderung gibt es entscheidende Unterschiede – und entsprechend klare Empfehlungen. In diesem Beitrag vergleichen wir beide Dämmstoffe: als Orientierung für Ihr nächstes Projekt!
Was ist der Unterschied zwischen Steinwolle und Glaswolle?
Steinwolle und Glaswolle zählen zu den am häufigsten eingesetzten Dämmstoffen im Hochbau – beide gehören zur Gruppe der Mineralwolle. Glaswolle basiert hauptsächlich auf Altglas (oft über 60 %), Quarzsand, Soda (Natriumcarbonat), Kalk und anderen Zuschlagstoffen. Steinwolle wird aus vulkanischen Gesteinen wie Basalt und Diabas, Dolomit, Kalkstein oder recyceltem Steinwoll-Abfall (Rückläufer) gefertigt. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick: Steinwolle ist fester und schwerer und bietet besonders hohen Schall- und Brandschutz. Glaswolle ist leichter, flexibler und einfacher zu verarbeiten – vor allem bei der Zwischensparrendämmung oder allen gängigen Heimwerkerprojekten. Einige Gemeinsamkeiten gibt es auch: Beide Materialien erreichen beispielsweise vergleichbare Wärmedämmwerte und sind robust und langlebig.
Technische Eigenschaften der Dämmstoffe im Vergleich
Sowohl Steinwolle als auch Glaswolle kommen wegen ihrer soliden Wärmedämmeigenschaften und ihrer Langlebigkeit regelmäßig zum Einsatz. Trotzdem gibt es zwischen beiden Dämmstoffen entscheidende Unterschiede, vor allem in der Rohdichte und entsprechend daraus folgenden Eigenschaften der Materialien: Steinwolle besitzt durch die verwendeten Gesteinsmaterialien eine höhere Rohdichte. Die Faserstruktur ist eher kurz, dick und kompakt, was zu einer höheren Druckfestigkeit und Formstabilität führt.
Glaswolle hingegen ist leichter und hat eine niedrigere Rohdichte. Die Fasern sind feiner, länger und elastischer, was zu einer besseren Verformbarkeit und Anpassungsfähigkeit beim Einbau führt.
Die folgende Tabelle bietet Ihnen eine übersichtliche Auflistung aller wichtigen Kriterien – für die Auswahl des passenden Dämmstoffs für Ihr Projekt:
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Kriterium |
Steinwolle |
Glaswolle |
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Rohstoffe |
Basalt, Dolomit, Recyclingmaterial |
Altglas, Sand, Soda |
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Rohdichte |
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Niedriger (ca. 20–150 kg/m³) |
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Wärmeleitgruppe (WLG) |
032–040 |
032–040 |
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Schallschutz |
Sehr gut (durch höhere Masse) |
Gut |
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Brandschutz |
Nicht brennbar, Schmelzpunkt > 1.000 °C |
Nicht brennbar, Schmelzpunkt ca. 600–700 °C |
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Feuchtigkeitsverhalten |
Diffusionsoffen, wasserabweisend |
Diffusionsoffen, wasserabweisend |
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Verarbeitung |
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Flexibler, leichter zu verlegen |
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Staubentwicklung/Hautreizungen |
Möglich, Schutzkleidung empfohlen (Handschuhe, Atemschutzmaske, Kleidung mit langen Armen und Beinen) |
Möglich, Schutzkleidung empfohlen (Handschuhe, Atemschutzmaske, Kleidung mit langen Armen und Beinen) |
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Kosten (Richtwerte pro m²) |
10–25 € je nach Ausführung |
5–15 € je nach Ausführung |
Was dämmt besser: Steinwolle oder Glaswolle?
Kurz gesagt: Die Dämmleistung ist vergleichbar – entscheidend sind die Anforderungen an das jeweilige Bauteil sowie an das gesamte Projekt. Setzen Sie besonderen Wert auf eine möglichst günstige Dämmlösung, die leicht zu verarbeiten ist, liegt in vielen Fällen Glaswolle vorne. Wer ein Dämmprojekt betreut, das besondere Anforderungen an Schallschutz, Brandschutz und Formstabilität legt, sollte dagegen Steinwolle als Dämmstoff in Betracht ziehen. Glaswolle wird in vielen DIY-Projekten und von Heimwerkern häufig bevorzugt, weil sie grundsätzlich angenehmer zu verarbeiten ist, während Profis häufig Steinwolle verwenden, gerade bei anspruchsvollen Projekten. Beachten Sie bei der Wahl des Dämmstoffs auch: Sowohl Glaswolle als auch Steinwolle haben einige Nachteile: Beide benötigen Schutz vor Feuchtigkeit durch die passende Dampfbremse, beide können bei unsachgemäßer Verarbeitung Hautreizungen auslösen, und beide sind nur begrenzt recycelbar. Schauen Sie bei Bedarf also auch nach Alternativen, eine ökologische Dämmung ist eine Möglichkeit.
Wie unterscheiden sich Steinwolle und Glaswolle beim Brandschutz?
Beide Materialien erfüllen höchste Brandschutzanforderungen. Steinwolle bietet allerdings zusätzlichen Sicherheitsreserven, insbesondere bei Gebäudeteilen mit hohem Feuerwiderstand (z. B. Fassadensysteme, Installationsschächte, Brandschutzwände).
Beachten Sie außerdem die folgenden Eigenschaften der Dämmstoffe:
- Steinwolle hat einen extrem hohen Schmelzpunkt von über 1.000 °C. Sie gehört zur Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1 und ist vollständig nicht brennbar. Im Brandfall entstehen keine giftigen Rauchgase oder brennenden Tropfen.
- Glaswolle ist ebenfalls nicht brennbar (ebenfalls Klasse A1 oder A2 je nach Bindemittelanteil), hat jedoch einen niedrigeren Schmelzpunkt im Bereich von 600–750 °C.
Welche Dämmung eignet sich besser für Schallschutz?
- Steinwolle bietet durch ihre höhere Masse und kompaktere Struktur einen deutlich besseren Schallschutz, vor allem bei tieffrequenten Geräuschen und Luftschall.
- Glaswolle dämmt Schall ebenfalls gut, ist jedoch im Vergleich etwas schwächer in der Schallabsorption – vor allem bei dünneren Produkten.
Fazit: Für Innenwände, Trennwände oder Gebäudedecken mit erhöhtem Schallschutzbedarf ist Steinwolle oft die bessere Wahl.
Einsatzbereiche: Wo eignet sich welches Dämmmaterial?
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Anwendungsbereich |
Empfehlung |
Begründung |
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Zwischensparrendämmung |
Glaswolle |
Flexibel, leicht zu klemmen, einfache Handhabung |
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Außenwanddämmung |
Steinwolle |
Hoher Brandschutz, sehr gute Formstabilität |
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Kellerdecke |
Steinwolle |
Stoßfest, gute Schallschutzeigenschaften |
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Trennwände im Innenbereich |
Glaswolle oder Steinwolle |
Je nach Budget und Schallschutzbedarf |
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Flachdach/Fassadensysteme |
Steinwolle |
Nicht brennbar, langlebig, hoch belastbar |
Der Vergleich Steinwolle vs. Glaswolle zeigt: Beide Dämmstoffe haben Vor- und Nachteile und eignen sich für unterschiedliche Dämmarbeiten. Planen Sie also Ihre Projekte am besten frühzeitig, damit in jedem Fall das passende Material zur Anwendung kommt!