Ein gut geschütztes Dachgeschoss hat viele wichtige Vorteile: weniger Wärmeverlust im Winter, weniger Überhitzung im Sommer und entsprechend weniger laufende Kosten im Alltag. Wichtig ist die korrekte Durchführung: Mit unserem Leitfaden können Sie das Dämmprojekt realistisch planen und sauber ausführen (lassen). Welche Materialien sind geeignet, welche Methode sollte zum Einsatz kommen, mit welchen Kosten ist zu rechnen und wie läuft das Projekt genau ab? All diese wichtigen Fragen klären wir für Sie – ausführlich und kompetent!
Wie dämme ich das Dachgeschoss richtig?
Eine langlebige, robuste Dämmung – dafür sind mehrere Faktoren wichtig: zum Beispiel eine lückenlose Luftdichtheit, sodass Wärmebrücken möglichst ausgeschlossen werden, das passende Dämmmaterial und eine feuchtesichere Schichtenfolge. Planen Sie die Dämmung Ihres Dachgeschosses systematisch:
- Bestand prüfen
Kontrollieren Sie Dachdeckung, Lattung, Unterspannbahn, Sparrenzustand sowie Anschlüsse an Kamin, Gauben und Dachfenster. Feuchte- oder Schimmelstellen müssen vor dem Dämmen fachgerecht behoben werden.
- Methode wählen
Es gibt verschiedene Methoden für die Dämmung eines Dachgeschosses. Eine Zwischensparrendämmung (plus eventuell zusätzlich eine Untersparrendämmung) ist häufig die richtige Wahl, wenn ein Innenausbau ohne Öffnung des Daches gewüncht ist. Soll das Dach ohnehin neu aufgedeckt werden, ist dagegen häufig eine Aufsparrendämmung ratsam.
- Material & System festlegen
Planen Sie alle wichtigen Komponenten: Dämmstoff, Dampfbremse (sd-Wert passend zum Aufbau), Klebebänder, Anschlusskleber und Manschetten. So sichern Sie Luftdichtheit und Rücktrocknung.
- Wärmebrücken minimieren
Ergänzen Sie bei Innenlösungen eine dünne Untersparrenebene. Bei einer Außensanierung reduziert die Aufsparrendämmung Wärmebrücken am effektivsten.
- Sauberer Abschluss
Damit die Dämmung über Jahre verlässlich funktioniert, muss die Konstruktion zum Schluss geschlossen werden, hier kommen meist Lattung und Beplankung (z.B. Gipskarton) zum Einsatz.
Unser Profi-Tipp: Kümmern Sie sich am besten vor dem endgültigen Schließen einen Blower-Door-Test (Baustellenmessung). Kleine Undichtigkeiten lassen sich dann schnell nacharbeiten.
Dämmmethoden im Überblick
Für die Dämmung Ihres Dachgeschosses kommen unterschiedliche Methoden infrage. Die Eigenschaften und Vorteile im kurzen Überblick:
Zwischensparrendämmung (innen)
Die Dämmmatten werden 1–2 cm überbreit zugeschnitten und mit leichter Vorspannung in jedes Sparrenfeld eingesetzt, damit keine Fugen entstehen. Raumseitig folgt die luftdichte Ebene (Dampfbremse) und die Beplankung.
Die Vorteile der Methode: Kosteneffizient, DIY-tauglich, keine Dachöffnung erforderlich.
Beachten Sie bei der Planung: Die Sparrentiefe begrenzt die Dämmstärke. Eine dünne Untersparrenebene verbessert die Dämmwirkung und reduziert Wärmebrücken.
Untersparrendämmung (innen, Zusatz)
Platten unter den Sparren bilden eine durchgehende Dämmschicht und zugleich eine Installationszone hinter der Beplankung.
Die Vorteile der Methode: Deutliche Verbesserung zum ungedämmten Zustand ohne Dachöffnung.
Beachten Sie bei der Planung: Raumhöhe und Befestigungspunkte (z. B. für Oberschränke) im Vorfeld planen.
Aufsparrendämmung (außen)
Druckfeste Dämmplatten werden vollflächig über den Sparren verlegt. Innen bleibt meist alles unangetastet.
Die Vorteile der Methode: Die Dämmebene liegt lückenlos oberhalb der Sparren, dadurch entfallen die typischen Unterbrechungen durch das Holztragwerk.
Beachten Sie bei der Planung: Der Aufwand der Montage ist vergleichsweise hoch, die Methode ist deshalb ideal, wenn die Eindeckung ohnehin erneuert wird.
Dachgeschossdämmung: Welche Dämmstoffe sind am besten geeignet?
Die „besten“ Dämmstoffe gibt es nicht pauschal. Im Dach sind Mineralwolle, Holzfaser, PIR und Zellulose bewährte Optionen, die je nach Einsatz (Zwischen-/Untersparren vs. Aufsparren) unterschiedliche Stärken ausspielen. Die folgende Übersicht ordnet die Materialien genau diesen Anforderungen zu und hilft Ihnen, schnell zur passenden Wahl zu kommen.
Mineralwolle (Glaswolle/Steinwolle)
- Stärken: Sehr gute Wärme-/Schalldämmung, nicht brennbar (A1/A2), attraktiver Preis.
- Einsatz: Vor allem Zwischen-/Untersparren.
- Hinweis: Die Unterschiede im Detail (Rohdichte, Akustik, Verarbeitung) erklären wir Ihnen in unserem Ratgeber zu Steinwolle vs. Glaswolle.
Holzfaser
- Stärken: Hervorragender sommerlicher Hitzeschutz, gute Akustik, ökologisch.
- Einsatz: Als flexible Matte (Zwischensparren) oder druckfeste Platte (Aufsparren).
- Hinweis: Höheres Eigengewicht; beim Einbau sollten Sie den Feuchteschutz besonders gründlich planen.
PUR/PIR (Hartschaum)
- Stärken: Sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit (schlanke Aufbauten), druckfest – ideal für Aufsparren.
- Einsatz: Aufsparren, teils als Untersparrenplatte.
- Hinweis: Die Systemdetails (Nut-/Feder, Kleben, Abdichten) müssen genau eingehalten werden.
Zellulose (Einblasdämmung)
- Stärken: Fugenlos, sehr guter Hitzeschutz, ökologisch.
- Einsatz: Zwischensparren mit Einblasgewebe/Schalung
- Hinweis: Die Luftdichtheit muss hier unbedingt vor dem Füllen sichergestellt werden, weil sonst die Dämmung nicht funktionstüchtig wird.
Kann man das Dachgeschoss selbst dämmen?
Ja, das ist teilweise möglich.
Diese Projekte sind DIY-geeignet: Zwischensparren- und einfache Untersparrendämmung – wenn Sie sauber, systemkonform und mit vollständigem Zubehör arbeiten.
Besser an Fachbetriebe geben: Aufsparrendämmung (Dachöffnung, Windsog-Nachweise, Anschlusstechnik), Einblasdämmung (Zellulose), komplexe Details (Gauben, mehrere Dachfenster), feuchteschutztechnische Nachweise.
Schritt für Schritt zur Dachdämmung (Zwischen- und Untersparren)
- Bestand prüfen (vor dem Einkauf):
- Sparrenmaß (Tiefe/Breite) messen, Feldabstände notieren.
- Unterspannbahn bewerten (diffusionsoffen vs. alt/dicht).
- Feuchteschäden/Schimmelstellen vor dem Dämmen sanieren.
- Leitungswege (Elektro/Ab- & Zuluft) festlegen.
- Material & System festlegen:
- Dämmstoff (Mineralwolle/ Holzwolle-flex / ggf. PIR für Untersparren).
- Dampfbremse mit passendem sd-Wert (bei Sanierung oft feuchteadaptiv sinnvoll).
- System-Klebebänder, Anschlusskleber, Manschetten (Kabel/Rohre), Primer.
- Lattung/Schrauben, ggf. Untersparrendämmung (20–40 mm), Beplankung (Gipskarton/Gipsfaser).
- Zubehör: Cuttermesser, Dämmstoffsäge, Tacker, Andruckroller, Kartuschenpistole.
- Sicher arbeiten:
- Schutzausrüstung verwenden: Handschuhe, Schutzbrille, FFP2-Maske bei staubigen Arbeiten, lange Kleidung.
- Stolper- & Absturzkanten sichern, Stromkreise abschalten, Brandschutzvorgaben beachten.
- Einbau der Dämmung Schritt für Schritt:
- Dämmstoff: 1–2 cm überbreit zuschneiden, fugenfrei einpassen, Stöße versetzen.
- Untersparrenebene: 20–40 mm Platte/Matte als durchgehende Schicht gegen Wärmebrücken.
- Dampfbremse: raumseitig, faltenfrei, Überlappungen ab ca. 8–10 cm; Stöße mit Systemband verkleben; Ränder an Mauerwerk/ Pfetten mit Anschlusskleber dauerhaft luftdicht anpressen; Manschetten für jedes Kabel/Rohr.
- Lattung & Beplankung: Lattung quer, Achsabstände nach Plattenhersteller; Gipskarton verschrauben, Fugen verspachteln.
- Qualitätscheck & Dokumentation:
- Sichtprüfung: Keine offenen Fugen, Folie überall geschlossen, Klebebänder vollflächig angedrückt.
- Einfache Dichtheitskontrolle: Zugluft an Stößen/Anschlüssen mit Räucherstäbchen/Feuerzeugflamme nicht sichtbar.
- Fotos von allen Anschlüssen/ Durchdringungen erstellen (Nachweis & spätere Orientierung).
- Materialetiketten/ Chargen notieren (für Garantie/Förderung hilfreich).
Luftdichtheit: deshalb entscheidend und wie Sie es richtig machen
Luftströmung (Konvektion) transportiert Feuchte in kalte Schichten. Das Ergebnis sind meist Tauwasser, Schimmel, Holzschäden und schlechtere Dämmwirkung.
So sorgen Sie für Luftdichtheit, wenn Sie Ihr Dachgeschoss dämmen: Stellen Sie eine durchgehende luftdichte Ebene auf der warmen Seite her – in der Regel ist das die Dampfbremse. Verkleben Sie jede Stoßfuge vollflächig, schließen Sie alle Randbereiche dauerhaft an die angrenzenden Bauteile an, und dichten Sie jede Durchdringung wie Kabel- und Rohrführungen mit passenden Manschetten ab. Bearbeiten Sie problematische Zonen wie Dachfenster, Pfetten- und Kaminanschlüsse besonders sorgfältig und verwenden Sie dafür aufeinander abgestimmtes Systemzubehör. Bevor Sie die Beplankung montieren, kontrollieren Sie die gesamte Fläche nochmals, laufen sie einmal komplett ab und pressen alle Klebebänder mit dem Andruckroller fest nach; erst wenn alles dicht und sauber ausgeführt ist, schließen Sie die Konstruktion.
Dann sollten Profis Ihr Dachgeschoss dämmen
Das Ergebnis zählt – nur eine fachgerecht montierte Dämmung sorgt dafür, dass das Dachgeschoss auch wirklich verlässlich geschützt ist. Einige Szenarien und Bauprojekte sollten Sie deshalb besser Fachbetrieben überlassen:
- Aufsparrendämmung: Diese Maßnahme erfordert das Öffnen des Daches und umfasst statische Prüfungen sowie Windsog-Nachweise; aufgrund der komplexen Anschlussdetails sollte sie von einem Fachbetrieb ausgeführt werden.
- Zellulose-Einblasung: Das Einblasen erfolgt mit definiertem Druck und Zielrohdichte und muss inklusive Qualitätsnachweis durch einen dafür ausgestatteten Fachbetrieb durchgeführt werden.
- Feuchteschäden, unbekannte Unterspannbahnen, Schimmel: Lassen Sie vor Beginn der Dämmarbeiten die Ursache fachkundig abklären und sanieren, damit keine Feuchtigkeit im Bauteil eingeschlossen wird.
- Mehrere Durchdringungen oder Gauben: Bei vielen Detailpunkten steigt das Risiko von Undichtigkeiten deutlich, weshalb Sie in solchen Fällen einen erfahrenen Betrieb für Planung und Ausführung hinzuziehen sollten.