Sie planen eine Sanierung, haben gerade gedämmt oder möchten vor dem Hauskauf wissen, wie „luftdicht“ ein Gebäude wirklich ist? Dann begegnet Ihnen früher oder später der Blower-Door-Test – als zentraler Teil des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, wie die Messung funktioniert, was die Ergebnisse bedeuten und warum der Test für die Qualität Ihrer Dämmung und die Energieeffizienz so wichtig ist. Alles Wichtige, übersichtlich aufgearbeitet von unseren Experten für fachgerechte Dämmprojekte!
Was ist ein Blower-Door-Test?
Ein Blower-Door-Test prüft die Luftdichtheit eines Gebäudes. Ein regelbarer Ventilator erzeugt Unter- und Überdruck. Aus der nachströmenden bzw. entweichenden Luft erkennt man, wo Leckagen sitzen und wie stark unkontrollierter Luftaustausch ist. Der Test nimmt einige Stunden Zeit in Anspruch: Bei einem Einfamilienhaus sollten Sie mit zwei bis vier Stunden vor Ort rechnen – inklusive Aufbau, Messreihen und Leckagesuche. Ein Prüfbericht ist meist kurz darauf verfügbar. Bei größeren Objekten und detaillierter Fotodokumentation verlängert sich die Dauer entsprechend.
Wer führt den Blower-Door-Test durch?
Spezialisierte Messdienstleister, Bauphysikbüros oder Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten kümmern sich um die fachgerechte Ausführung des Tests rund um die Luftdichtheit.
Wer ist Ihr Ansprechpartner?
- Ihre Energieberatung
- die Bauleitung bzw. das Generalunternehmen im Neubau (falls Sie eine Immobilie bauen)
- ein regionaler Blower-Door-Fachbetrieb, den Sie direkt beauftragen können
Beachten Sie unbedingt: Bei Förderprojekten gehört die Messung in die Fachplanung und Baubegleitung durch den Energieeffizienz-Experten.
Die wichtigste Kennzahl ist n50. Sie zeigt, wie oft pro Stunde das gesamte Luftvolumen eines Gebäudes bei 50 Pascal Druckdifferenz ausgetauscht wird. Je kleiner n50, desto dichter die Hülle. Der Wert 50 Pascal ist natürlich nicht zufällig gewählt:
Dieser Wert entspricht typischen Windlasten. So lassen sich Gebäude unabhängig vom Wetter am Messtag gut miteinander vergleichen.
Wie funktioniert ein Blower-Door-Test?
Der Blower-Door Test folgt einer klaren Methode, in Deutschland wird er gemäß DIN EN ISO 9972 durchgeführt. Das Vorgehen in Kürze:
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Vorbereitung
Alle Fenster und Außentüren werden geschlossen, Innentüren bleiben geöffnet. Lüftungsanlagen werden je nach Messziel abgestellt oder in Messposition gebracht. Siphons werden mit Wasser gefüllt, damit keine Luft über Abflüsse strömt. -
Aufbau des Messgeräts
In eine Außentür oder ein Fenster wird ein luftdichter Rahmen mit einer Plane eingespannt. Darin sitzt der Blower-Door-Ventilator. Präzise Messgeräte erfassen die Druckdifferenz und den Luftvolumenstrom. -
Unter- und Überdruckmessungen
Der Ventilator erzeugt schrittweise Druckstufen (zum Beispiel 10, 20, 30, 40, 50, 60 Pa). Für jede Stufe wird die nachströmende Luftmenge gemessen – einmal bei Unterdruck (Luft wird aus dem Gebäude gesaugt) und einmal bei Überdruck (Luft wird eingeblasen). -
Leckagesuche
Bei konstantem Unterdruck werden Leckagen mit der Hand oder mit speziellen Geräten wie mit Rauchstiften oder Thermo-Anemometern aufgespürt. So erkennt man, wo genau Luft ein- oder austritt. Meist wird gezielt an kritischen Punkten geprüft: zum Beispiel Anschlüssen von Dampfbremsen, Durchdringungen (Kabel, Rohre), Fensteranschlussfugen, Attika, Rollladenkästen, Steckdosen in Außenwänden, Dachzugang und ähnlichen Stellen. -
Auswertung/Dokumentation
Aus den Messreihen wird die Luftwechselrate n50 berechnet. Zusätzlich dokumentiert ein Prüfbericht Messbedingungen, Messaufbau und Auffälligkeiten. Direkt nach der Messung gibt es eine erste Einordnung der Ergebnisse. Der Prüfbericht folgt in der Regel zeitnah mit n50-Wert, Messdiagrammen und – falls vereinbart – einer Fotodokumentation der Leckagen.
Was genau misst der Blower-Door-Test?
Der Test liefert konkrete Ergebnisse in diesen Bereichen:
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n50 – Luftwechselrate bei 50 Pa
in der Einheit 1/h (oder h⁻¹). Ein n50 von 2,0 bedeutet: Das Luftvolumen des Gebäudes wird bei 50 Pa zweimal pro Stunde durch Undichtigkeiten ausgetauscht. -
Volumenstrom (Q50)
Luftmenge in m³/h, die bei 50 Pa durch die Hülle strömt. Dieser Wert wird häufig zur Einordnung herangezogen, insbesondere bei großen Gebäuden. -
Konkrete Leckagestellen
Der Test zeigt präzise, wo genau Luft durchgeht, nicht nur wie viel. Für anschließende Dämmprojekte ist diese Information besonders wertvoll – denn nur so lassen sich die Dämmstoffe an allen sinnvollen Stellen platzieren.
Richtwerte für Wohngebäude: So können Sie die ermittelten Werte einordnen
Im Anschluss an den Blower-Door-Test können Sie die Ergebnisse mit dem durchführenden Unternehmen besprechen und die notwendigen Maßnahmen planen. Diese Richtwerte helfen Ihnen bei der grundsätzlichen Beurteilung:
- bis 0,6 h⁻¹: sehr gut (Passivhaus-Niveau, spezieller Standard)
- bis 1,5 h⁻¹: gut bis sehr gut, typisch bei Gebäuden mit Lüftungsanlage
- bis 3,0 h⁻¹: üblich für Gebäude ohne Lüftungsanlage (häufiger Grenzwert in Nachweisen)
- über 3,0 h⁻¹: deutlicher Nachbesserungsbedarf
Hinweis: Die oben genannten Zahlen sind grobe Richtwerte. Für Ihre Immobilie gelten individuelle Rahmenbedingungen: Maßgeblich sind beispielsweise die vereinbarten beziehungsweise vorgeschriebenen Grenzwerte in Ihrem Projekt, zum Beispiel nach GEG-Nachweis, außerdem eventuelle Förderanforderungen oder Passivhaus-Kriterien.
Typische Ursachen für undichte Stellen
Undichtigkeiten entstehen überall dort, wo die luftdichte Ebene unterbrochen ist oder Anschlüsse nicht sauber ausgeführt wurden. Der Blower-Door-Test ist ideal, um genau solche Schwachstellen aufzudecken. Durch die künstliche Erzeugung von Unter- und Überdruck wird deutlich, an welchen Stellen Luft unkontrolliert in oder aus dem Gebäude strömt. Häufige Ursachen für Undichtigkeiten, die beim Blower-Door-Test sichtbar werden, sind:
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Dach und Decke
- Unsaubere Anschlüsse der Dampfbremse an Mauerwerk, Pfetten oder Schornsteine
- Falten, Risse, offene Überlappungen in Luftdichtungsbahnen
- Undichte Dachluken und Revisionsöffnungen -
Wände und Fenster
– Fehlende oder gealterte Fensteranschlussbänder
– Undichte Rollladen- und Raffstorekästen
– Steckdosen und Installationsdosen in Außenwänden ohne luftdichte Ausführung -
Durchdringungen
– Kabel- und Rohrdurchführungen ohne passende Manschetten oder ohne Verklebung
– Dunstabzugshauben, Abluftleitungen, Lüftungsgitter -
Keller und Bodenplatte
- Fuge zwischen Bodenplatte und Wand
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Sonstiges
– Kaminanschlüsse
- Fugen an Attika,
- Übergänge zu Wintergärten oder Anbauten
Was passiert, wenn der Text nicht bestanden wird?
Ein nicht bestandener Blower-Door-Test bedeutet: Die Ziel- oder Grenzwerte wurden überschritten. Das ist kein Grund zur Panik – wichtig ist, systematisch vorzugehen, um die Ursachen zu beheben:
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Leckagen priorisieren
Nutzen Sie die Leckagesuche aus der Messung: Große und besonders kritische Stellen (zum Beispiel an Bauteilanschlüssen mit Feuchterisiko oder besonders gravierenden Wärmebrücken) zuerst sanieren. -
Passende Materialien verwenden
– Dampfbrems- oder Luftdichtungsbahnen ergänzen oder sauber anschließen
– Klebebänder mit geprüfter Alterungsbeständigkeit verwenden
– Dichtmassen für Anschlüsse an Mauerwerk und Beton
– Manschetten für Kabel- und Rohrdurchführungen
– Bei Fenstern Anschlussfugen fachgerecht herstellen (innen luftdicht, außen schlagregendicht) -
Dämmarbeiten regelkonform ausführen
Alle Dämmstoffe müssen gemäß Herstellerangaben verwendet und angebracht werden, um über einen langen Zeitraum die Energieffizienz des Gebäudes maßgeblich und verlässlich zu unterstützen. Die passenden Dämmstoffprodukte plus Zubehör für jede gängige Anwendung finden Sie in unserem Online-Shop – individuelle Beratung inklusive! -
Nachmessung einplanen
Nach der Nachbesserung empfiehlt sich eine erneute Messung, um den Erfolg zu dokumentieren und Förder- oder Vertragsanforderungen sicher zu erfüllen.
Blower-Door-Test: Mögliche Förderungen
Die Kosten für den Blower-Door-Test hängen von Gebäudegröße, Ziel der Messung (Bauzustand mit Leckagesuche oder reine Abnahmemessung), Anfahrt und Dokumentationsumfang ab. Im Rahmen einer begleiteten Sanierung (energetische fachliche Baubegleitung) lassen sich die Kosten oft fördern. Ihre Energieberatung kann Ihnen hier wertvolle Tipps zu Ihrem individuellen Projekt geben. Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – abgewickelt über BAFA beziehungsweise KfW – spielt die Luftdichtheit eine wichtige Rolle. Für viele Effizienzhaus-Standards ist eine nachgewiesene geringe Luftwechselrate Voraussetzung. Zudem sind Leistungen der Energieeffizienz-Experten, die die Sanierung fachlich begleiten (inklusive Blower-Door-Test), in der Regel förderfähig. Bitte beachten Sie: Konkrete Programmdetails können sich ändern. Maßgeblich sind die Anforderungen Ihres Fördervorhabens. (Stand der Angaben zu möglichen Förderungen: Dezember 2025)